Aktuell

12.1.2012 Haiti zwei Jahre später - kleine Fortschritte!

Boot.PNGFoto: Bau eines Fischerboots in Haiti

Zwei Jahre nach dem schweren Erdbeben vom 12. Januar 2010 sind die Erwartungen und Bedürfnisse der Überlebenden immer noch enorm. Das Erdbeben hatte mehr als 200‘000 Tote gefordert und über 1,5 Millionen Personen obdachlos gemacht.

Zwei Jahre nach dieser Katastrophe in nie gekanntem Ausmass bleibt die Situation vor Ort prekär. Eine Rückkehr zum normalen Leben dauert sehr viel länger als erwartet. Das Fehlen einer starken Regierung und die Korruption beeinträchtigen die Anstrengungen der Bürger, ihr Land wieder neu aufzubauen.

„Es ist das erste Mal, dass ich die Chance habe einen richtigen Beruf zu erlernen", meint Gary Laurent, 31 Jahre alt. Er absolviert eine Ausbildung zum Bootsbauer im Rahmen des Projektes von ADRA Schweiz für die technische Unterstützung von 450 Fischerfamilien in Petit-Goâve.

Jedes Jahr werden fast 2‘000 Boote in Haiti gebaut. Auch dies trägt zur Waldrodung der Insel bei, die schon durch das Fällen von Holz für die Kohleproduktion geschwächt ist. Das Projekt für technische Hilfe und Schulung umfasst auch eine Sensibilisierung für den Umweltschutz. Die Boote werden aus kanadischem Holz hergestellt, wo für jeden gefällten Baum ein neuer gepflanzt wird. Die Handwerker bauen die Boote des Projektes selber und lernen mit neuen Produkten, wie zum Beispiel Epoxy (Foto oben), umzugehen.

Gary Laurent hatte das Handwerk von seinem Vater gelernt. "Früher habe ich die Boote mit ungeeignetem Werkzeug hergestellt und das war sehr anstrengend. Wir mussten die Eichen- oder Mangostämme von Hand bearbeiten. Jetzt ist die Arbeit technischer geworden und daher auch einfacher. Dank dieser Ausbildung bin ich nun ein echter Bootsbauer."

Technische Ausbildung, Organisationsentwicklung, Bereitstellung der Grundausstattung für die Fischerei sind unter anderem die Grundlagen des ADRA-Projektes mit einer Dauer von 26 Monaten. ADRA Schweiz finanziert zusammen mit der Glückskette diese Aktivitäten.

Direkt nach dem Erdbeben bot das ADRA Netzwerk, darunter auch ADRA Schweiz, den Überlebenden Nothilfe, wie beispielsweise die Pflege der Verletzten, Verteilung von Lebensmitteln, Trinkwasser, Zelten und Grundausrüstung. Mehrere hunderttausend Menschen haben in den darauf folgenden Wochen lebenswichtige Unterstützung erhalten.

Darüber hinaus wurden Notunterkünfte in Petit-Goâve gebaut, um mehr als 1‘000 Familien in der Not eine angemessene Unterkunft zu bieten. Parallel dazu wurde Trinkwasser an diejenigen Menschen verteilt, welche keinen Zugang zu sauberem Wasser hatten.

Herzlichen Dank an dieser Stelle allen unseren SpenderInnen und Partnern für die grosszügige Unterstützung, durch die unsere Projekte realisiert werden konnten.

Trotz der Abreise vieler NGOs aus Haiti, setzt ADRA Schweiz die Aktivitäten fort, um für die gefährdeten Bevölkerungsgruppen eine Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen zu erzielen. Mit der Beibehaltung unserer Vor-Ort-Aktivitäten tragen wir einen bescheidenen Beitrag zum stetigen Prozess des Wandels bei und eröffnen den Menschen in Haiti neue Perspektiven.

4.1.2012 Neuer Finanzchef von ADRA Schweiz

DSC01312.jpgThilo Schneider, 33 Jahre alt, ist als neuer Finanzchef von ADRA Schweiz ernannt worden. Er wird ab April 2012 bei uns tätig sein und sich um die Finanzen kümmern sowie Fundraising-Aktivitäten entwickeln und umsetzen.

Nach seinem Studium der Betriebswirtschaft war er in verschiedenen Positionen im Detailhandel tätig und ist derzeit Leiter Controlling bei der Migros-Genossenschaft in der Ostschweiz. Thilo Schneider ist deutscher Staatsangehöriger und lebt mit seiner Frau bereits seit mehreren Jahren in der Ostschweiz. Wir freuen uns auf seinen baldigen Start und heissen ihn in der ADRA Familie herzlich willkommen.

Seine Ernennung als Nachfolger von Joakim Cotting ist auf die schwere Krankheit zurückzuführen, die ihn im Sommer 2010 getroffen hat. Wir wünschen Joakim Cotting, seiner Frau und seiner ganzen Familie viel Mut und Kraft in dieser schweren Zeit.

2.12.2011 - 2'855 Mal Danke!

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Foto: Weihnachtspakete in Genf

Dank des Einsatzes vieler kleinen und grossen Hände konnten gesamthaft 2‘855 Weihnachtspakete in der ganzen Schweiz gepackt und gesammelt werden. Dieses Jahr sind es ein wenig mehr Pakete als die letzten Jahre.

2'855 Waisen- und bedürftige Kinder in Moldawien erhalten so ein liebevolles Weihnachtsgeschenk. Das tolle Resultat konnte nur dank der Grosszügigkeit von Kindern und Erwachsenen erreicht werden und dafür sind wir dankbar.

ADRA Moldawien, unser Partner vor Ort, ist für die Verteilung der Geschenke an die Kinder in verschiedenen Institutionen und Familien verantwortlich. Monika Stirnimann, unsere Projektverantwortliche, reist Ende Dezember nach Moldawien und wird da die Kinder treffen und bei der Verteilung mitmachen.

Im Namen aller begünstigten Kinder in Moldawien möchten wir uns jetzt schon bei allen bedanken, die direkt oder indirekt mitgeholfen haben, die Pakete zu packen oder zu transportieren.

04.11.2011 Interview mit Alexandre Gasser über seinen Aufenthalt in Somalia

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Foto: ADRA Schweiz - Bohrung in der Region Puntland

Alexandre Gasser, Direktor von ADRA Schweiz, war vom 5. bis 18. Oktober 2011 in Somalia um einige Projekte zu besuchen und mit den Menschen vor Ort zu reden. Er spricht über seine Reise nach Somalia - ein Land, in welchem Entführungen zu einem lukrativen Geschäft geworden sind. Über diese Gefahr hinaus stellte er bei der betroffenen Bevölkerung den Willen fest, sich aus ihrer Not zu befreien.

ADRA Schweiz setzt mit der Unterstützung der Glückskette am Horn von Afrika ein Projekt um und verteilt den Bedürftigten Trinkwasser sowie Haushaltsartikel, führt Bohrungen durch und baut grosse Wasserreservoire.

Alexandre, kommt man durch all diese Vorgänge aus Somalia nicht gezeichnet zurück?
Sicher; die Situation und die lokalen Überlebensbedingungen hinterlassen Spuren, aber dank unserer Hilfe verbessern wir die Lebensverhältnisse der Bevölkerung. Mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln können wir konkrete Hilfe leisten.

Was können Sie uns über die Tätigkeiten von ADRA in Somalia berichten?
Seit August setzen wir in den zwei Regionen Puntland und Galmudug ein Projekt zur Bekämpfung der Dürre um. Es gliedert sich in vier Teile: Bohrungen werden durchgeführt, der Bevölkerung wird Trinkwasser via LKWs verteilt, Wasserreservoire werden gebaut und Haushaltsartikel werden an die Betroffenen verteilt.

Welcher Teil der Bevölkerung wird von ADRA unterstützt und wie sieht diese Hilfe konkret aus?
Sowohl die sesshafte Bevölkerung als auch die Nomaden erhalten unsere Unterstützung, damit zwischen ihnen keine Spannungen aus Eifersucht entstehen. Wir führen zwei Bohrungen durch, bauen zwei Wassertanks à je 350 m3, verteilen 400 Haushalts-Kits und bringen mithilfe 140 Tanklastwagen Trinkwasser an die Bedürftigten.

Man kann sich vorstellen, dass die politische Situation vor Ort kompliziert ist. Wie gelingt es ADRA in dieser Situation zu arbeiten?
Der Klimafaktor hat die Dürre verursacht. Es ist wichtig zu wissen, dass die Menschen zurechtkommen wollen und nicht untätig bleiben. Es stimmt, dass es Probleme zwischen den Stämmen gibt, aber das datiert nicht von gestern und ich würde sagen, dass dies nicht das Hauptproblem darstellt. Es ist das Klima, das die Dürre verursacht, auch wenn grosse Spannungen zwischen den Sippen zu spüren sind, die alles nicht einfacher machen.

Was haben Sie beim Vorgehen von ADRA in Somalia festgestellt?
Die Massnahmen sind gut angelaufen. Ich wollte sehen, wie es mit der Wasserversorgung steht und wie wir die Lieferungen garantieren können (Kanister, usw.). Die Menschen sind glücklich, weil wir ihre Lebensbedingungen verbessern. Wir arbeiten nun bereits an einem weiteren Projekt, das die Verteilung von Lebensmittelrationen vorsieht. Die Bevölkerung ist gezwungen, auf die nächste Ernte zu warten. Es ist deshalb notwendig, dass sie genug zu essen haben.

Was haben Sie während Ihres Aufenthaltes in Somalia besucht?
Während meines Aufenthaltes hatte ich die Gelegenheit, eine Bohrung zu besuchen und traf auf die Begünstigten. Es war vorgesehen, einen dieser Wassertanks zu besuchen, aber der Regen des Vortages hatte die Pisten unzugänglich gemacht. Außerdem steckten wir mit unserem Fahrzeug fest und es dauerte über eine Stunde um uns zu befreien. So kamen wir erst bei Einbruch der Dunkelheit in unserer Unterkunft an. Am nächsten Tag besuchten wir ein Lager für Vertriebene IDP‘s (Internally Displaced People) um einige Aufnahmen zu machen und Gespräche mit den Verantwortlichen zu führen.

Und wie geht es weiter?
ADRA Schweiz hat gerade ein zweites Projekt eingereicht, das die Verteilung von Lebensmittelrationen vorsieht. Ab Dezember planen wir ein drittes Projekt mit Rehabilitationsmaßnahmen, welche beispielsweise die Lieferung von Saatgut und die Erneuerung des Viehbestands beinhalten werden. Die Gemeinschaften wollen mit der Dürre zurechtkommen und warten nur auf unsere Unterstützung.

Interview von Christophe Michel.

News aus Haiti

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